Die Internationale Linguistik-Olympiade und was sie (in) Deutschland wert ist…

Die Internationale Linguistik-Olympiade ist einer der neueren Wettkämpfe innerhalb von anderen, besser bekannten Meisterschaften wie Mathematik- oder Chemie-Olympiade.

Die Idee, sprachliche Fähigkeiten zu trainieren und abzuprüfen, wurde vor allem im ehemaligen Ostblock mit dem Vielvölkerstaat Sowjetunion als führender Kraft gepflegt. Nach wie vor sind die Mannschaften aus Osteuropa sehr erfolgreich (siehe Medaillenspiegel). Inzwischen nehmen aber auch Länder aus quasi allen Kontinenten teil (u.a. USA, Indien, Südkorea, Vietnam, Brasilien, Arabische Emirate, Australien). Getestet werden Sprachgefühl, kulturelle Vorstellungskraft und analytisches Denken, was zur Folge hat, dass nicht nur sprachlich, sondern allgemein und vielfach begabte Schüler die besten Ergebnisse erzielen.

Die olympischen Wettkämpfe, die eine knappe Woche dauern, finden jährlich in einem anderen Land statt, diesmal in Slowenien (29.7.-4.8.).

Generell besteht die Olympiade aus Einzelwettkämpfen (am Tage nach der Ankunft), in denen vier Aufgaben innerhalb von sechs Stunden zu lösen sind. Am freien Folgetag lernt man bei Exkursionen Land und Leute des Gastgeberlandes, aber auch die gegnerischen Mannschaften kennen. Am vierten Tag steht die Teamaufgabe an, wo vier SchülerInnen aus einem Land (= eine Mannschaft) gemeinsam für vier Stunden an einem Problem arbeiten. Die Aufgaben bestehen meist im Herausfinden von Strukturen (Grammatik) oder der Bedeutung von Wörtern/Wortgruppen aus unbekannten Sprachen. 2010 sahen die Aufgaben so aus. Manchmal ist der Lösungsprozess vergleichbar mit dem Entziffern der Hieroglyphen. Am letzten Tag erfolgt die Siegerehrung und es gibt eine Party.

Deutschland nimmt seit 2008 teil. Die Auswahl der Mannschaftsteilnehmer beginnt bei einem Wettkampf innerhalb des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen. Es gilt, eine Aufgabe zu lösen. Die besten Teilnehmer werden in der Regel nach Berlin (und Leipzig) eingeladen und dort an zwei Wochenenden im Frühjahr für die Olympiade im Sommer von Linguisten des ZAS trainiert und zur Nationalmannschaft zusammengestellt. Die erzielten Ergebnisse sind für Deutschland von Jahr zu Jahr besser geworden: beim letzten Mal im vorletzten Jahr sogar eine Bronzemedaille.

Die deutsche Mannschaft von 2010 (Stockholm)

v.l.n.r.: N. Sedlaczek, L. Héjjas, J. Park (mit Medaille), M. König; im Hintergrund A. Meinunger

Im letzten Jahr gab es wegen Finanzierungsschwierigkeiten keine deutsche Teilnahme. Im Jahr davor und nun 2012 wieder unterstützt(e) die Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS) das Unternehmen finanziell. Das kann und soll aber kein Dauerzustand sein. Hoch sind die Kosten keineswegs: 2000-4000 Euro für Alles! Sponsoren finden sich allerdings dennoch nicht. Unzählige Vereine, Stiftungen, Träger, private und öffentliche Mäzene, Geld gebende Landes- und Bundesbehörden sind von uns angeschrieben worden. Nur Absagen. Nirgends scheint man eine Möglichkeit zu sehen, die Linguistik-Olympiade auch nur teilweise zu fördern. In den meisten anderen Ländern hat der Wettbewerb einen viel prestigeträchtigeren Status. In den USA waren weltbekannte Unternehmen willige und generöse Sponsoren, in osteuropäischen Ländern winken Stipendien oder andere Maßnahmen, erfolgreichen Teilnehmern das Hochschulstudium zu erleichtern. In Deutschland mit seiner großen sprachwissenschaftlichen Tradition scheint sich jedoch niemand für den Nachwuchs engagieren zu wollen…

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