Internationale Linguistik-Olympiade (II)

Vor gut einem Jahr, im Juli 2012, habe ich einen sehr ähnlichen Beitrag hier im Blog veröffentlicht.

Es ging und geht mir heute wieder um die Internationale Linguistik-Olympiade. Ich kann und will nicht verstehen, dass man sich in Deutschland so schwer tut damit. Ähnlich wie mein letzter Beitrag zum Schimpfen ist dieser hier wieder eine Art Aufruf an die Blog-Leserschaft, mit Ideen aufzuwarten.

Auf der Homapage der Linguistik-Olympiade stehen mittlerweile 35 Länder. Das ist viel und wenig zugleich. Wenig ist es, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es um die 200 Länder auf der Erde gibt und dass auch fast so viele an den Olympischen Sommerspielen teilnehmen. Bei den Winterspielen sind es schon deutlich weniger. Der einschlägigere Vergleich ist allerdings derjenige mit den Wissenschaftsolympiaden. Davon gibt es zwölf. Die Internationale Mathematikolympiade mit derzeit ca. 100 Teilnehmerländern beispielsweise. Die Philosophie-Olympiade, die neben der Biologie-, Chemie-, Geographie-Olympiade und anderen auch dazu gehört, wartet mit ungefähr 40 Teilnehmerländern auf. Viel ist es allerdings, wenn man die sich die Länder anschaut und dabei feststellt, dass flächengroße und bevölkerungsreiche Saaten dabei sind: Russland, USA, China, Indien, Brasilien, Australien, Kanada. Das Spannende an der Linguistik-Olympiade ist auf jeden Fall ihr rasantes Wachstum. Noch im Jahre 2007, das war das Jahr vor dem, in dem Deutschland zum ersten Mal teilgenommen hat, gab es lediglich neun Wettkampfländer. 2010 waren es doppelt so viele: 18. Und weitere drei Jahre später, also dieses Jahr (2013) gab quasi wieder doppelt so viele Mannschaften. Der Enthusiasmus ist groß. Ich saß in Sitzungen des Komitees, in den von neu hinzugekommenden Ländern darum gerungen wurde, ein zweites Team starten lassen zu dürfen. Das ist oder war ein Anrecht der „alten“ Gründernationen: Russland hatte schon immer ein Team Moskau und ein Team St. Petersburg; und Lettland war quasi Team 3; die Amts- – will heißen die Sprache, in der die Aufgaben bestellt werden und in der die Mitglieder kommunizieren – ist Russisch. Polen und Bulgarien schicken genauso traditionell zwei Mannschaften, auch die USA. Jetzt hat China zwei, so auch Südkorea, Australien und Schweden. Die Insel(n) macht bzw. machen es ähnlich wie beim Fußball, und so kommt man jetzt auf drei Mannschaften: UK1, UK2 und sogar Isle of Man. Irland gibt es ohnehin extra. Das Spektakuläre ist, dass „arme“ Länder aufs Parkett drängen: so Rumänien und Vietnam zum Beispiel. Auch die Schwellenländer Brasilien und Indien gelten nicht als besonders reich im klassischen Sinne. (Das Verrückte ist, dass sich Brasilien sogar aktiv dafür eingesetzt hat, Gelder für eine deutsche Teilnahme zu akquirieren.) Dennoch schaffen es diese Länder, für die Finanzierung ihrer Teams zu sorgen. Das ist derzeit auch noch nicht so teuer. Die Kosten, die für Deutschland anfielen, lagen nie über 4000 Euro für alles! Einmal sogar unter 2000 Euro beim ersten Mal. Damals übernahm die Kosten der Bundeswettbewerb Fremdsprachen (Bildung und Begabung). Später, als es von dort kein Geld mehr dafür gab, sprang die Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS) ein. Aber auch da ging für das Projekt Linguistik-Olympiade das Geld aus. Wir (also ich und ein paar Kollegen vom ZAS) haben uns an zig Unternehmen und potentielle Sponsoren gewandt. Die Sätze aus meinem früheren Beitrag sind weiterhin gültig: „Unzählige Vereine, Stiftungen, Träger, private und öffentliche Mäzene, Geld gebende Landes- und Bundesbehörden sind von uns angeschrieben worden. Nur Absagen. Nirgends scheint man eine Möglichkeit zu sehen, die Linguistik-Olympiade auch nur teilweise zu fördern.“ Zwar wird oft beteuert, wie gut, sinnvoll, interessant und vieles mehr man das Unterfangen finde, wie wichtig es sei, die Olympiade zu unterstützen, man selbst sei aber nicht der „richtige“ Geldgeber.

Mein Eindruck ist, dass man wie so oft im Leben am besten über persönliche Beziehungen einen Sponsoren oder eine sonstige Unterstützerin gewinnen könnte. Deswegen frage ich auf diese Weise  in die Runde: Kennt jemand einflussreiche Leute, an die man mit einer entsprechenden Bitte herantreten kann. Hat jemand einen konkreten Tipp, wohin sich man mit einer entsprechenden Anfrage wenden kann?

Die weniger dringliche, aber durchaus sehr interessante Frage ist, wieso sich Deutschland so schwer damit tut. Warum hier wenig Engagement gezeigt wird und sich die Unterstützung in sehr engen Grenzen hält? Ähnliches trifft auch auf Frankreich und Italien zu. Diese Länder zeigen (bislang) keine Ambitionen. Die Niederlande sind aktiv und erfolgreich, der Nachbar Belgien nicht. Schweden ja, Norwegen nein; Tschechien ja, die Slowakei nein… Manches ist sicher Zufall, oft stecken konkrete Persönlichkeiten dahinter, manches aber könnte spezielle Gründe haben. Und vielleicht kann ein Einblick in bestimmte Ursächlichkeiten dabei helfen, erst strukturelle und dann finanzielle Probleme zu lösen.

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3 Gedanken zu „Internationale Linguistik-Olympiade (II)

  1. Wird die Linguistik-Olympiade bisher in irgendeiner Form von der EU gefördert? Das klingt für mich nach einem Projekt, das dort durchaus auf Interesse stoßen könnte.
    Das Problem mit EU-Förderung im allgemeinen ist, dass es UNGLAUBLICH kompliziert ist, sie zu beantragen (für Förderungs-Laien fast nicht machbar), in diesem speziellen Fall käme noch hinzu, dass andere EU-Länder ja anscheinend ebenfalls beteiligt sind ohne Hilfe der EU (?).
    Trotzdem würde ich mal mit dem Büro des/der betreffenden EU-Parlaments-Abgeordneten Kontakt aufnehmen.

  2. Hallo,

    also wie schon oben angesprochen EU-Förderungen wären eine Lösung, natürlich nicht ohne Anstrengung. Wenn wir hier von den Geldern sprechen, würde ich mich an die Universitäten wenden und dort nach der Hilfe suchen. So z.B.: wurde bei uns an der LMU in München die studentische Tagung der Sprachwissenschaften aus der Kasse des Lehre@LMU – Programms unterstützt. Der Haken dabei ist, dass es die Studenten sein müssen, um an dieses Geld zu kommen. Wenn es soweit ist würde ich in Kontakt mit studentischen Organisationen oder Fachschaften tretten und mit denen etwas gemeinsam zu veranstalten.

    Mir gefällt die Idee der Olympiade und bin der Meinung, dass man sie schon realisieren kann. Ich würde geren mehr darüber erfahren. Also im Namen unserer studentischen Initiative Zirkel Babel (s. fb.com/ZirkelBabel) erkläre ich uns bereit zur Mitarbeit an der Olympiade.

    Viele Grüße

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