Von der Uni Halle zur Uni-Halle

Heute gab es mal wieder eine Interview-Anfrage. Ein Mitarbeiter des WDR möchte gerne von mir wissen, ob den Studienanfängern der Sprach- und Kommunikationswissenschaft „Grundfertigkeiten wie korrekte Orthographie, Ausdruck usw.“ fehlen. Ich frage mich: Warum eigentlich den Studienanfängern?

So fällt mir in letzter Zeit ein Phänomen immer wieder auf, das offensichtlich ganz besonders (aber nicht nur) die Schildermacher betrifft: In Berlin vor dem Finanzministerium finde ich beispielsweise eine Baustellen Ausfahrt. Ich denke mir: Es hätte schlimmer kommen können. Immerhin ist uns die Bau Stellen Aus Fahrt erspart geblieben. Ich warte jedenfalls jetzt auf die Sack Gasse, die Ein Bahn Straße und die Auto Bahn Auf Fahrt. Der Name der Straße, in der ich wohne, wird allen Ernstes in zahlreichen Postwurfsendungen zu Nachtigallen Weg entstellt. Ein Wegweiser zur „Uni Halle“, der in Wikipedia archiviert ist, zeigte keineswegs den Weg zur Universität der Stadt Halle, sondern zur Uni-Halle in Wuppertal.

Die deutsche Sprache ist ja berühmt für ihre Zusammensetzungen, die man laut Rechtschreib-Duden auch zusammenschreiben sollte – zumindest solange sie nicht zu unübersichtlich werden. Für diese Fälle haben wir aber den Bindestrich: Er macht eben aus der Universität in Halle die Uni-Halle in Wuppertal. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

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Ein Gedanke zu „Von der Uni Halle zur Uni-Halle

  1. Zum Eingangsthema sagte der Professor in einer meiner ersten Vorlesungen der Einführung in die Sprach- und Kommunikationswissenschaft den jungen Studis in seiner etwas schroff wirkenden Art, dass sie die Orthographie nicht beherrschten, dafür aber auch nichts könnten, schließlich brauche der vollständige und fehlerfreie Erwerb egal welchen Schriftsystems rund 20 Jahre.

    Was das „Deppen Leer Zeichen“ angeht, finde ich, dass man mit zweierlei Maß messen muss: Im Fließtext gehören Komposita zusammengeschrieben oder (um Bedeutungsnuancen oder Grundwörter hervorzuheben) mit Bindestrich gekoppelt, aber außerhalb von Sätzen, bspw. in Logos, auf Etiketten und Schildern, muss man wohl oder übel (deskriptiv) anerkennen, dass (inzwischen) gerade für Namen im weitesten Sinne einige andere Regeln bzw. Regeln anders gelten.

    Dies betrifft einerseits die Groß- und Kleinschreibung, die oft graphostilistisch motiviert frei gehandhabt wird, andererseits die Zusammenschreibung, die nicht nur an Zeilengrenzen abweicht, und schließlich die Verwendung von Hilfszeichen, z.B. Apostroph zur Genitivsuffixabtrennung oder Anführungszeichen zur Emphase, und Formatierungen, z.B. fett, kursiv oder farbig. Wirkliche Probleme entstehen erst dann, wenn irgendwer – bspw. CI-Verantwortliche – darauf besteht, solche isolierten Formen auch genau so innerhalb von Texten, in denen eigentlich die übliche Orthographie gilt, schreiben zu müssen.

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